Anwendung, Nutzung und Grenzen von Beobachtungsbögen als Instrument zur Professionalisierung im Hochschulstudium

Der Lehrerberuf zeichnet sich professionstheoretisch dadurch aus, dass ähnlich wie bei Medizinern eine Einführung in die Handlungspraxis, den sogenannten Habitus, notwendig ist. Studien zur Expertiseforschung zeigen dabei, dass für hochwertige Leistungen Berufserfahrung allein nicht ausreicht, sondern stetige (Selbst‑)Reflexion des eigenen Handelns erforderlich ist (vgl. z. B. Helsper, 2011; Palmer et al., 2005). Für das Hochschulstudium bedeutet dies, dass eine Einführung in den professionellen Habitus durch (Selbst‑)Reflexionsgelegenheiten angeboten werden sollte. Eine Möglichkeit hierzu bieten Beobachtungsbögen, die als Grundlage für (Selbst‑)Reflexionsprozesse dienen. Diese werden von Lehrenden ausgefüllt und erfassen das konkrete Handeln angehender Professionsmitglieder. Bislang ist jedoch kaum bekannt, wie Beobachtungsbögen konkret in der Hochschullehre eingesetzt werden, welche Faktoren die Bewertung beeinflussen und ob Beobachtungsbögen tatsächlich ein geeignetes Instrument zur Professionalisierung Studierender darstellen. Der vorliegende Beitrag widmet sich diesem Forschungsdesiderat anhand einer Stichprobe von 390 Studierenden aus Bachelor- und Mastermodulen mit 840 Beobachtungen, die von 9 Dozent(inn)en durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass zu stark ausdifferenzierte Beobachtungsbögen nicht zielführend sind, die Handhabung der Lehrenden variiert und eine Optimierung individuellen Lernens, nicht jedoch die Leistungsbewertung, mittels Beobachtungsbögen sinnvoll ist.

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